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Leiterplatte
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top
Eine Leiterplatte (Leiterkarte, Platine oder gedruckte Schaltung; englisch printed circuit board, PCB) ist ein TrĂ€ger fĂŒr elektronische Bauteile. Sie dient der mechanischen Befestigung und elektrischen Verbindung. Nahezu jedes elektronische GerĂ€t enthĂ€lt eine oder mehrere Leiterplatten.
Leiterplatten bestehen aus elektrisch isolierendem Material mit darauf haftenden, leitenden Verbindungen (Leiterbahnen). Als isolierendes Material ist faserverstĂ€rkter Kunststoff ĂŒblich, bei niedrigpreisigen GerĂ€ten auch Hartpapier. Die Leiterbahnen werden zumeist aus einer dĂŒnnen Schicht Kupfer geĂ€tzt, ĂŒblich sind 35 ”m. Die Bauelemente werden auf LötflĂ€chen (Pads) oder in Lötaugen gelötet. So werden sie an diesen footprints gleichzeitig mechanisch gehalten und elektrisch verbunden. GröĂere Komponenten können auch mit Kabelbindern, Klebstoff oder Verschraubungen auf der Leiterplatte befestigt werden.
Contents
âą Herstellung
âą Entwurf
âą Serienfertigung
âą Prototypen
âą Geschichte
âą Layout
âą Microvia-Technik
âą Dickkupfer
âą WĂ€rmemanagement
⹠Lötalternativen
âą HAL
âą Chemisch-Zinn
âą OSP
âą ENIG
âą Tests
âą Durchgangstest
âą Kurzschlusstest
⹠Röntgentest
âą Basismaterial
âą Verbindungen
âą Recycling
âą Literatur
âą Siehe auch
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Leiterplattenarten
Die Leiterplattenarten reichen von einseitigen Leiterplatten ĂŒber Multilayer bis hin zu Sondertechniken.
âą Standardleiterplatten
âą Einseitige und zweiseitige Leiterplatten
âą Multilayer mit mehreren Lagen (unterschiedlich, je nach Hersteller)
âą Sondertechniken (Sondertechniken kommen in allen Industriezweigen zum Einsatz und besitzen besondere Eigenschaften und Anforderungen)
âą Flexlam
âą Hochstrom: Um den Transport von hohen Strömen und Signalelektronik ĂŒber eine Leiterplatte zu realisieren.
âą Dickkupfer
âą DĂŒnnstleiterplatten
âą Schleifring: Ein Schleifring wird fĂŒr die Ăbertragung und zum Abgreifen von Energie, Signalen und Daten bei sich drehenden Systemen genutzt. Einsatzgebiete sind beispielsweise bei Industrierobotern und WindkraftrĂ€dern. Voraussetzung fĂŒr die ZuverlĂ€ssigkeit und Lebensdauer einer SchleifringoberflĂ€che ist die richtige Applikation der Edelmetallbeschichtung.
âą HDI-Leiterplatte
âą IMS-Leiterplatte
âą Leiterplatten auf Glas
Herstellung
Entwurf
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Hauptartikel
:
Electronic Design Automation
Der Leiterplattenentwurf (Layout) erfolgt heute meist mit einer Software, die neben den Leiterzug-Daten auch den Schaltplan und oft StĂŒcklisten sowie auch Daten wie Lotpasten-Muster oder BestĂŒckungsdruck enthĂ€lt. Der Leiterplattenentwurf kann von den Leiterplatten-Layout-Programmen in einem Standardformat ausgegeben werden. Die meisten Leiterplattenhersteller verarbeiten die Formate Gerber RS-274X, Excellon oder Sieb & Meyer. Dabei werden die Projektdaten der Leiterplatte aufgeteilt. Der erste Teil besteht aus Gerber-Daten fĂŒr die Topographie der Leiterplatten. Damit werden z. B. der Leiterbahnverlauf und die Lokalisierung von PADs etc. dokumentiert. Der zweite Teil besteht aus den Bohrdaten im Format der Excellon- oder Sieb & Meyer-Daten.
Die Leiterplattenentflechtung (manuell oder mit einem Autorouter) ist der Hauptinhalt des Entwurfes. Dazu kommen technologische Angaben wie KupferstĂ€rke, Platinen-Fertigungstechnologie und OberflĂ€chenart. Jetzt erfolgt die Ăbergabe der Daten an den Leiterplattenhersteller.
CAM
Der Leiterplattenhersteller wird die Daten zuerst in eine CAM-Station einlesen. Dort wird zunĂ€chst der Lagenaufbau extrahiert, damit die Funktion der Daten beim System bekannt ist. Dann wird mittels Design Rule Checks geprĂŒft, ob die angelieferten Daten fehlerfrei und fertigbar sind. Dann wird ein Produktionspanel erstellt. Es besteht aus den fĂŒr die Fertigung benötigten Programmen. Dazu gehören Ausgaben fĂŒr Filmplotter/Imager, Bohr-, FrĂ€s- und Ritzdaten, AOI (Automatic Optical Inspection) Ausgaben, Elektrische PrĂŒfprogramme, und vieles mehr.
Die Produktionsdaten sind in nach Funktion getrennten Ebenen strukturiert:
âą Muster einer oder mehrerer Kupferlagen (LeiterzĂŒge und FlĂ€chen)
⹠Bohrlöcher (Lage, Tiefe und Durchmesser)
âą Umriss und DurchbrĂŒche
âą BestĂŒckungsplan oben und unten
⹠Lötstopplack oben und unten
âą BestĂŒckungsdruck oben und unten
âą Klebepunkte und Lotpastenmuster fĂŒr SMD-Bauteile oben und unten
âą Partielle Metallisierungen (zum Beispiel Vergoldung fĂŒr KontaktflĂ€chen)
Serienfertigung
Photochemisches Verfahren
Der gröĂte Teil einseitiger und doppelseitiger durchkontaktierter Leiterplatten wird fotochemisch hergestellt.
Die heutige Reihenfolge der Herstellungsschritte ist:
1. Bohren
2. Durchkontaktieren (bei doppelseitigen Leiterplatten)
3. Fotoresist laminieren
4. Belichten
5. Entwickeln
6. Ătzen
7. SpĂŒlen
8. Trocknen
Danach folgen je nach Bedarf weitere Nachbearbeitungsschritte.
UrsprĂŒnglich wurde das Bohren und Durchkontaktieren erst nach dem Ătzen der Leiterplatte vorgenommen. Seitdem aber der Fotolack durch sog. Trockenresist, also eine fotoempfindliche Folie ersetzt wurde, konnte die Reihenfolge der Produktionsschritte verĂ€ndert werden. Vorteil ist, dass nun nicht mehr vor dem Durchkontaktieren eine Maske auf die Platine aufgebracht werden muss, die das Aufwachsen des Kupfers an unerwĂŒnschten Stellen verhindert. Da zu diesem Zeitpunkt noch die gesamte Leiterplatte von Kupfer bedeckt ist, erhöht sich nur die Schichtdicke der Kupferfolie. Die metallisierten Bohrungen werden wĂ€hrend des Ătzvorganges von der Fotoresistfolie beidseitig abgeschlossen.
Die Herstellung der Leiterbahnen erfolgt in der Regel fotolithografisch, indem eine dĂŒnne Schicht lichtempfindlichen Fotolacks auf die OberflĂ€che der noch vollstĂ€ndig metallisierten Platte aufgebracht wird. Nach der Belichtung des Fotolacks durch eine Maske mit dem gewĂŒnschten Platinenlayout sind je nach verwendetem Fotolack entweder die belichteten oder die unbelichteten Anteile des Lacks löslich in einer passenden Entwicklerlösung und werden entfernt. Bringt man die so behandelte Leiterplatte in eine geeignete Ătzlösung (z. B. in Wasser gelöstes Eisen(III)-chlorid oder Natriumpersulfat oder mit SalzsĂ€ure + Wasserstoffperoxid,cite-ref-1[1]) so wird nur der freigelegte Teil der metallisierten OberflĂ€che angegriffen; die vom Fotolack bedeckten Anteile bleiben erhalten, weil der Lack bestĂ€ndig gegen die Ătzlösung ist.
Prototypen können auch durch FrĂ€sen der Kupferschichten strukturiert werden (âIsolationsfrĂ€senâ, s. u. Bild zu Lötrasterplatinen). Solche Platinen bestehen nicht aus Leiterbahnen, sondern aus FlĂ€chen, die voneinander durch FrĂ€sspuren getrennt sind.
Die Kupferschichten können nach dem Ătzen galvanisch verstĂ€rkt werden.
Die Herstellung der Bohrungen zur Aufnahme bedrahteter Bauteile sowie fĂŒr Durchkontaktierungen erfordert aufgrund des Glasfaser-Anteils des TrĂ€germaterials Hartmetallwerkzeuge. Wenn Bohrungen an den InnenwĂ€nden metallisiert werden, entstehen Durchkontaktierungen. Die Metallisierung der Bohrungen (isolierende FlĂ€chen) erfordert eine Bekeimung, nachfolgende stromlose Abscheidung einer dĂŒnnen Kupferschicht und schlieĂlich deren elektrolytische VerstĂ€rkung.
Danach wird Lötstopplack (grĂŒne Lackschicht der Leiterplatte im Foto) aufgebracht, der die Leiterbahnen abdeckt und nur die Lötstellen frei lĂ€sst. Damit lassen sich Lötfehler vermeiden, beim Schwalllöten spart man Zinn und die Leiterbahnen werden vor Korrosion geschĂŒtzt. Die frei bleibenden Lötstellen (Pads und Lötaugen) können mit einem physikalischen Verfahren (hot air leveling) mit einer Zinnschicht und zusĂ€tzlich mit einem Flussmittel ĂŒberzogen werden, die besseres Löten ermöglicht.
Lotpaste-Inseln zum Auflöten von SMD-Bauteilen werden mittels einer Lotpasten-Maske aufgebracht. Sie ist aus Metallblech und enthĂ€lt an den Stellen Löcher, wo Lotpaste aufgetragen werden soll. Die Masken werden durch Laserfeinschneiden hergestellt. Ein weiterer möglicher Verfahrensschritt bei der SMD-BestĂŒckung ist das Aufbringen von Kleberpunkten, die die Fixierung der Bauteile beim BestĂŒcken (Pick and place) bis zum Löten sicherstellt.
Oft tragen Leiterplatten einen per Siebdruck hergestellten BestĂŒckungsdruck, der in Verbindung mit dem Schaltplan Montage und Service erleichtert.
Stanztechnik und Drahtlegetechnik
Zwei weitere wichtige Herstellungsverfahren fĂŒr Leiterplatten sind die Stanztechnik und Drahtlegetechnik. In Stanztechnik werden Leiterplatten fĂŒr sehr groĂe StĂŒckzahlen hergestellt. Die Technik eignet sich nur fĂŒr einseitige Leiterplatten aus Pertinax oder unverstĂ€rkten Kunststoffen. Dabei wird Basismaterial ohne Kupferauflage verwendet, eine Kupferfolie mit einer Klebstoffschicht wird auf das Basismaterial gelegt und dann mit einem PrĂ€gestempel die Leiterbahnformen ausgestanzt und gleichzeitig auf das Basismaterial gedrĂŒckt. In einem Arbeitsgang werden dabei die Kontur der Leiterplatte und die Bohrungen gestanzt sowie das Leiterbild ausgestanzt und mit dem Basismaterial verklebt.
FĂŒr kleine Serien und fĂŒr spezielle Anwendungen, die eine hohe Stromfestigkeit der Leiterplatte benötigen, wird die Drahtlegetechnik angewandt. Dabei verlegt eine Maschine isolierte DrĂ€hte auf dem Basismaterial, die mittels UltraschallschweiĂens sowohl an den Lötpunkten angeschlossen, als auch auf der OberflĂ€che des Basismaterials befestigt werden.
Mit âNutzenâ wird bei der Anfertigung von Leiterplatten das Zusammenfassen mehrerer kleinerer Layouts auf einer groĂen Platine bezeichnet. Der Begriff stammt aus der Drucktechnik. Die gesamte Verarbeitungskette erfolgt soweit möglich mit diesem Nutzen. Durch geschickte Anordnung unterschiedlicher EntwĂŒrfe können die ĂŒblicherweise rechteckigen Formate des Basismaterials auch bei abweichenden, beispielsweise L-förmigen Geometrien gut ausgenutzt werden. FĂŒr die anschlieĂend erforderliche Zerteilung der Platine ist der Begriff Nutzentrennung gebrĂ€uchlich.
Siebdruck
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Hauptartikel
:
Siebdruck
Anstelle des fotochemischen Verfahrens kann fĂŒr die Abdeckung der LeiterzĂŒge vor dem Ătzen auch die Siebdrucktechnik verwendet werden. Diese ist insbesondere fĂŒr einseitig beschichtetes Material und wenig komplexe Leiterplatten geeignet.
Prototypen
Vor der Serienfertigung werden meist ein oder mehrere Prototypen erstellt und getestet, um im Fehlerfall die hohen Kosten fĂŒr die Erstellung der Fotomasken zu vermeiden.
Dazu gibt es folgende Möglichkeiten:
Fertigung im Pool
Hersteller bieten die Fertigung von EinzelstĂŒcken und Kleinstserien im âPoolâ an, d. h. mehrere EinzelstĂŒcke als Nutzen (siehe oben) werden auf einer groĂen Platte gebohrt, durchkontaktiert, belichtet, geĂ€tzt und danach ausgefrĂ€st.
FrÀsen
Bei der FrÀstechnik werden mit einem StiftfrÀser Trennlinien zwischen den LeiterflÀchen hergestellt. Dabei bleibt alles Kupfer stehen (Inselverfahren). Die nasschemischen und fotolithografischen Schritte entfallen. Viele ECAD-Programme können CNC-Programme generieren, mit denen Prototypen und Kleinserien schnell gefertigt werden können.
Tonertransfermethode
Das Layout wird mit einem Laserdrucker spiegelverkehrt auf geeignetes Papier oder eine hitzebestĂ€ndige Folie gedruckt und anschlieĂend mit BĂŒgeleisen oder LaminiergerĂ€t auf die Platine âaufgebĂŒgeltâ. Der Toner wird dabei wie in der Fixiereinheit des Druckers leicht flĂŒssig und verbindet sich mit dem Kupfer der Platine. AnschlieĂend wird das Papier wieder mit Wasser abgelöst â der Toner verbleibt auf dem Kupfer. Darauf folgt das Ătzen des Kupfers, wobei die vom Toner abgedeckten Stellen stehenbleiben. Der Toner wird anschlieĂend abgelöst. Es können Ungenauigkeiten durch Papiertransport im Drucker sowie durch Dehnen und Schrumpfen des Papiers durch die Erhitzung auftreten. Wird eine transparente Folie bedruckt, kann eine Fotomaske hergestellt werden, um mit Fotolack beschichtetes Basismaterial zu belichten.
Stifte
Die Leiterbahnen und Lötaugen werden direkt mit einem wasserfesten Filzstift (sog. Permanent Marker) auf das Basismaterial ĂŒbertragen. Auf diese Weise kann auch aus einer durchsichtigen Kunststofffolie eine Fotomaske fĂŒr das Photopositivverfahren hergestellt werden. Die Farbe auf dem Basismaterial schĂŒtzt wĂ€hrend des Ătzens die abgedeckten FlĂ€chen. Nach dem Ătzen wird die Farbe mit Spiritus oder Aceton entfernt. Wird zum Zeichnen stattdessen gelöstes und gefĂ€rbtes Kolophonium in einer Röhrchenfeder verwendet, kann auf die Entfernung des Abdecklacks verzichtet werden.
Anreibesymbole
Manche Hersteller vertreiben Anreibesymbole, die Lötaugen, Leiterbahnteile oder elektrische Symbole darstellen. Diese werden â Ă€hnlich wie Abziehbilder â auf die Leiterplatte aufgelegt und angerieben. Die aufgebrachten Symbole schĂŒtzen dann das Kupfer unter ihnen wĂ€hrend des Ătzvorganges. Dieses Verfahren wird auch in Kombination mit einem Filzstift angewendet (z. B. Lötaugen mit Anreibesymbolen, Leiterbahnen mit Filzstift). Nach dem Ătzen werden die Symbole mit Aceton oder durch Abkratzen entfernt. Lötlack, der oft aufgebracht wird, um die FlieĂeigenschaften des Lötzinns zu verbessern, löst ebenfalls die Symbole. Auch dieses Verfahren kann zur Massenproduktion auf eine Folie fĂŒr das Photopositivverfahren angewendet werden.
Ălmethode
Bei Bastlern ist die âĂlmethodeâ bekannt. Dabei wird das Layout mit höchster SchwĂ€rzung mit dem Laserdrucker auf normales Schreibpapier gedruckt und dann mit Ăl getrĂ€nkt, wodurch das Papier weitestgehend transparent wird. Die Belichtung des mit Fotolack beschichteten Basismaterials durch diese Maske hindurch kann mit einer ĂŒblichen UV-Quelle oder auch Sonnenlicht erfolgen.
Die Schaltung selbst kann mit Experimentierplatinen getestet werden. lochrasterplatine: Lochrasterplatinen weisen Bohrungen oder Lötaugen (einseitig oder durchkontaktiert) mit einem RastermaĂ auf, das fĂŒr Elektronikbauteile ĂŒblich ist, also 2,54 mm, was 0,1 Zoll (= 100 mil) entspricht, (fĂŒr die selteneren metrischen Bauteile 2,5 mm) oder die HĂ€lfte davon. Verbindungen können durch Löten mit Schaltdraht, in FĂ€deltechnik, in Wickeltechnik oder durch einfaches Stecken hergestellt werden. Oft sind mehrere Augen bereits durch Leiterbahnen verbunden (z. B. fĂŒr Betriebsspannungen) oder es sind lĂ€ngere und kĂŒrzere Leiterbahnen bereitgestellt, um praktischen Anforderungen nĂ€herzukommen. Auch komplett mit parallelen Leiterbahnen versehene Experimentierplatinen (Lötstreifenplatine) sind ĂŒblich. Diese können nach Bedarf mit einem Werkzeug aufgetrennt werden, indem die Leiterbahn durchgeritzt wird. Zudem gibt es kleine Experimentierplatinen, passend fĂŒr gĂ€ngige SMD-GehĂ€useformen, um deren AnschlĂŒsse auf das Raster zu adaptieren.
Geschichte
Vor der EinfĂŒhrung von Leiterplatten wurden elektronische Schaltungen frei verdrahtet, ggf. unter zusĂ€tzlicher Verwendung von Lötleisten. Mechanische StĂŒtzpunkte waren dabei Bauteile wie Potentiometer, Drehkondensatoren, Schalter mit ihren Lötösen sowie die Fassungen von Elektronenröhren. Je nach Hersteller bemĂŒhte man sich um ĂŒbersichtlich rechtwinklige Anordnung der Bauelemente oder wĂ€hlte immer die direkte, schrĂ€ge Verbindung. Da die Bauelemente, wie Kondensatoren oder WiderstĂ€nde, damals noch recht groĂ und lang waren, mussten dabei Distanzen von einigen Zentimetern ĂŒberbrĂŒckt werden.
GerÀte dieser Art waren nur von Hand und mit Kenntnis des Verdrahtungsplanes zu fertigen.
Leiterplatten-VorlĂ€ufer ab den 1920er Jahren waren gestanzte LeiterzĂŒge, die auf Hartpapier aufgenietet wurden. Bauelemente (WiderstĂ€nde, Kondensatoren) wurden ohne Lötverbindung zwischen Blechfedern getragen. Paul Eisler, ein Wiener Elektronik-Ingenieur, lieĂ sich 1943 das Prinzip der gedruckten Leiterplatte patentierencite-ref-2[2], das aber lange Zeit neben der regulĂ€ren Handverdrahtung ein eher unbedeutendes Schattendasein fristete. Erst mit der zunehmenden Miniaturisierung der Elektronik nahm die Bedeutung dieser Technik zu.
In der Anfangszeit um 1940 wurden Schaltkreise auch durch Siebdrucken von Silberleitlack auf der Grundplatte hergestellt. Auf Keramiksubstrate gedruckte und eingebrannte Leiterbahnen und WiderstĂ€nde werden demgegenĂŒber unter dem Begriff Dickschichttechnik gefĂŒhrt.
Fertigungstechnik
Der Einsatz von Leiterplatten begann Anfang der 1950er Jahre durch die von Fritz Stahl gegrĂŒndeten Ruwel-Werke in Geldern am Niederrhein.
Bei gedruckten Schaltungen werden die AnschlussdrĂ€hte der Bauteile von oben durch Bohrlöcher durch die Leiterplatte gesteckt (engl. Through Hole Technology, THT) â eine auch heute noch weit verbreitete Technik. Auf der Unterseite (Löt-, Leiter- oder L-Seite) befinden sich die Kupferleiterbahnen, an denen sie festgelötet werden. Das erlaubt eine vereinfachte und automatisierbare Fertigung, gleichzeitig sinkt die Fehlerquote bei der Produktion, da Verdrahtungsfehler damit fĂŒr die Schaltung auf der Leiterplatte ausgeschlossen werden.
Komplexere einlagige Leiterplatten erfordern zusĂ€tzliche Verbindungen, die nicht im Layout herstellbar sind. Diese werden durch LötbrĂŒcken mittels abgewinkelter DrĂ€hte oder Null-Ohm-WiderstĂ€nde hergestellt. Letztere lassen sich besser in BestĂŒckungsautomaten einsetzen. Alternativ nutzt man fĂŒr diese Verbindungen Kupferbahnen auf beiden Seiten der Leiterplatte (doppellagige Leiterplatte, DL). Verbindungen zwischen oberer (BestĂŒckungs- oder B-Seite) und unterer Seite wurden durch Löten eingepresster Stifte oder Niete erzeugt.
Erst in den 1960er Jahren wurden diese Verbindungen (Durchkontaktierungen, DK, engl. vias) durch die Leiterplatte hindurch chemisch durch Metallisierung der LochwÀnde der Bohrungen erzeugt.
Aus KostengrĂŒnden werden auch heute noch einlagige Leiterplatten hergestellt, wenn die Schaltung es erlaubt. GegenĂŒber einer doppelseitigen, durchkontaktierten Leiterplatte liegen die Kosten fĂŒr eine gleich groĂe einseitige Leiterplatte bei 25â50 %.
Ein erheblicher Teil der weltweit hergestellten Leiterplatten wird auch heute noch von Hand bestĂŒckt, obwohl es bereits seit ca. Mitte der 1970er Jahre BestĂŒckungsautomaten gibt. Moderne Leiterplatten mit hoher Packungsdichte und oberflĂ€chenmontierbaren Bauteilen (SMD) können allerdings nur teilweise von Hand bestĂŒckt werden. Sogenannte âPick & placeâ-Automaten ĂŒbernehmen die Handhabung der manchmal weniger als 1 mmÂČ groĂen Bauteile. Zunehmend werden im Anschluss an das Reflowlöten der auf beiden Seiten bestĂŒckten SMD die THT-Bauelemente von Hand bestĂŒckt und anschlieĂend selektiv gelötet. Bis auf QFN, BGA sowie sehr kleine 0201 milli-Zoll-Bauteile können nahezu alle SMD-Bauteile problemlos von Hand gelötet werden. Problematisch von Hand zu löten sind Leistungsbauelemente (unabhĂ€ngig von der Bauform) mit einem groĂen Pad an der Unterseite zur WĂ€rmeabfuhr. Diese Leistungsbauelemente sowie QFN- und BGA-Bauteile können unter UmstĂ€nden trotzdem noch von Hand gelötet werden, beispielsweise mit einer HeiĂluftpistole. Allerdings können das Bauteil oder Bauteile in der Umgebung dabei Schaden nehmen, falls die Hitze zu lange einwirkt.
Layout
In den 1960er Jahren zeichnete man das Layout (Leiterbahnen-Struktur) im MaĂstab 2:1 mit Tusche oder in Klebetechnik mit Layoutsymbolen und Kleberollen (Brady) auf Rasterfolien. SpĂ€ter erstellte man an ProgrammierarbeitsplĂ€tzen NC-Programme zur Steuerung eines LichtzeichengerĂ€tes, welches den zur Fotolithografie erforderlichen Film herstellte. Danach verwendete man Computer, um die Zeichnungen der verschiedenen Kupfer- und Drucklagen sowie das NC-Steuerprogramm fĂŒr die Herstellungen der Bohrungen zu erzeugen.
Aktuelle Layoutprogramme fĂŒr die sog. Electronic Design Automation (EDA) ermöglichen die Erzeugung eines Verbindungsplanes und der entsprechenden Darstellung (âRattennestâ) aus einem Stromlaufplan und beinhalten umfangreiche Bauteil-Bibliotheken, in denen fĂŒr jedes Bauteil auch die GehĂ€usegeometrien, technische Daten und die Lage und GröĂe der Lötpads (englisch Footprint, fĂŒr âFuĂabdruckâ) enthalten sind. Der Footprint bezeichnet die Abmessungen der Lötaugen bei der Through Hole Technology (THT) bzw. die Abmessungen der Lötpads bei Surface Mounted Devices (SMD) fĂŒr ein bestimmtes Bauteil auf der Leiterplatte.
Die automatische Leiterplattenentflechtung anhand eines gegebenen Stromlaufplanes und Design-Regeln der elektrischen Verbindungen ist heute bei einfachen Leiterplatten möglich (Autoplacement und Autorouting). An seine Grenzen stöĂt dieses Verfahren bei komplexen Leiterplatten, die viel Erfahrung bei der Entflechtung erfordern (z. B. bei Mobiltelefonen). Auch eine Steigerung der Computer-Rechenleistung bringt keine Verbesserung, da die Eingabe der komplexen Design-Vorgaben teilweise mehr Zeit in Anspruch nimmt als die manuelle Entflechtung.
Die Strombelastbarkeit (Stromdichte) von Leiterbahnen ist ein wichtiger Design-Aspekt. Sie kann wesentlich höher als diejenige von MassivdrĂ€hten liegen, da das Substrat durch WĂ€rmeleitung kĂŒhlt.cite-ref-3[3] Layout-Software kann die Strombelastbarkeit berĂŒcksichtigen.
Weitere Aspekte sind:
âą Bei hohen Frequenzen und Impuls-Steilheiten ist die Wellenimpedanz der Leiterbahnen von Bedeutung (siehe Streifenleitung).
⹠Bei Digitalschaltungen mit hoher Taktfrequenz muss darauf geachtet werden, dass zusammengehörende Leiterbahnen (Bus) dieselbe LÀnge haben, so dass die Signale am Ende der Leiterbahnen gleichzeitig ankommen.
âą Bei analogen Signalen (besonders Audioanwendungen mit hohem Dynamikumfang) mĂŒssen Masseschleifen (auch Erdschleifen, Brummschleifen genannt) vermieden werden.
âą Bei hohen elektrischen Spannungen oder hohen Impedanzen mĂŒssen wegen der Kriechstromfestigkeit zwischen den Leiterbahnen bestimmte MindestabstĂ€nde (Aura) eingehalten werden. Optokoppler, die Netz- und Signalstromkreise galvanisch getrennt verbinden, haben die Pins des DIP-GehĂ€uses gespreizt, oder in die Leiterplatte ist unter dem Bauteil ein Schlitz gefrĂ€st.
EMV-gerechtes Layout
Die kapazitive und induktive Verkopplung der Leiterbahnen, deren EmpfĂ€nglichkeit gegenĂŒber externen elektromagnetischen Feldern sowie die Abstrahlcharakteristik (Störemission) wird unter dem Sammelbegriff Elektromagnetische VertrĂ€glichkeit (EMV) beschrieben. Entwurfs-Software kann ansatzweise auch EMV-Aspekte innerhalb der Platine berĂŒcksichtigen.
EMV-gerechtes Leiterplattenlayout ist durch Vorschriften zur Störabstrahlung oder die Funktion des GerĂ€tes motiviert. Regeln sind beispielsweise möglichst kurze Leiterbahnen, sodass sie nicht als Antenne wirken, sowie die möglichst parallele RĂŒckfĂŒhrung der Ströme hochfrequenter und leistungsintensiver Signale bzw. deren Betriebsspannung.cite-ref-4[4]Hauptplatinen wie das mit vier Kupferlagen produzierte K7S5A aus dem Jahr 2001, sowie der teilweise mit 4 Kupferlagen (Layern) aufgebaute Lerncomputer Gigatron TTL haben zum Beispiel je ein Layer als Masse sowie als Betriebsspannung. Diese Layer sind daher induktionsarm und besonders störende oder störempfindliche Leitungen können zwischen sie eingeschlossen werden.
Schaltnetzteile weisen besonders hohe Störpegel auf und erfordern kurze breite LeiterzĂŒge fĂŒr deren typische stromstarke Rechteckimpulse.
LĂ€ngere Signalleitungen können aufeinander kapazitiv oder induktiv koppeln. Dementsprechend können sie mit MasseflĂ€chen umgeben werden, es muss genĂŒgender Abstand vorliegen oder die Kopplung muss kompensiert werden.
In den 1990er Jahren gab es in Leiterplatten-CAD-Programmen noch keine Möglichkeit, das EMV-Verhalten von Leitungen und AnschlĂŒssen zu definieren. Es war Erfahrung notwendig. Inzwischen ist es zwar möglich, Leitungsimpedanzen, Laufzeiten, Koppelung und Abstrahlung mathematisch zu simulieren, Erfahrung und das Wissen um die physikalischen ZusammenhĂ€nge sind jedoch weiterhin erforderlich, um die steigenden EMV-Anforderungen umzusetzen.
Leiterplattentechnologien
Ein groĂer Teil der Leiterplatten in elektronischen GerĂ€ten wird auch heute noch aus einseitig kaschiertem Material und mit bedrahteten Bauteilen hergestellt (Durchsteckmontage, kurz THT von engl. through hole technology). Mit fortschreitender Miniaturisierung werden auf deren Unterseite zunehmend SMD-Bauteile (von engl. Surface Mounted Device) eingesetzt, wĂ€hrend die Durchsteckbauelemente von oben bestĂŒckt werden. Die SMD-Bauteile können zusĂ€tzlich geklebt sein, sodass sie beim Löten nicht abfallen.
Die teureren durchkontaktierten Platinen sowie noch teurere Mehrlagenplatinen werden bei komplexeren (z. B. Computer), zuverlÀssigeren (z. B. Industrieelektronik) oder miniaturisierten (z. B. Mobiltelefone) Baugruppen eingesetzt.
SMD-Leiterplatten
Mitte der 1980er Jahre begann man damit, unbedrahtete Bauteile zu fertigen, die direkt auf die Leiterbahnen zu löten waren (SMD). Diese ermöglichten es, die Packungsdichte zu erhöhen und trugen zu einer enormen Verkleinerung von elektronischen GerÀten bei. Zudem ist es möglich, SMD auf beiden Seiten einer Leiterplatte zu platzieren.
Zum BestĂŒcken werden bei gemischt bestĂŒckten Platinen (THT und SMD) zunĂ€chst die auf der Unterseite (SekundĂ€rseite) anzubringenden SMD auf die Platine geklebt, danach der Kleber ausgehĂ€rtet und die Leiterplatte umgedreht, um die andere Seite mit SMD und ggf. THT-Bauteilen zu bestĂŒcken. Das Löten der Unterseite kann nun mittels Wellenlöten (Schwalllöten) geschehen, sofern die auf der Unterseite angebrachten Teile geeignet sind, durch die Lotwelle zu laufen.
Das Reflow-Löten erfordert das vorherige Aufbringen von Lotpaste (per Hand, per Automat, mittels Maske oder im Direktdruck/Dispenser.cite-ref-5[5]) Danach werden die Bauteile platziert. Oft reicht die AdhĂ€sion des geschmolzenen Lotes aus, um die SMDs auch ohne Kleber zu halten. Bei gemischt bestĂŒckten Platinen (SMD und THT) mĂŒssen die THT-Bauteile mit selektivem Wellenlöten (bewegte LötdĂŒsen, aus denen flĂŒssiges Lot austritt) oder per Hand gelötet werden, wenn die Unterseite nicht durch den Schwall laufen kann (z. B. unverklebte SMD, Kantensteckverbinder, ungeeignete AbstĂ€nde und Orientierungen). Andererseits gibt es viele Bauteile (z. B. Polypropylen-Folienkondensatoren, Transformatoren), die nicht durch den reflow-Ofen laufen können und daher nachbestĂŒckt werden mĂŒssen.
Ein wesentlicher Vorteil von SMD-Bauteilen ist die Handhabbarkeit in BestĂŒckungsautomaten. Bei bedrahteten Bauteilen ist es immer ein wesentliches Problem, mit allen AnschlĂŒssen die Bohrungen zu treffen und die zulĂ€ssigen Biegeradien der AnschlussdrĂ€hte mit einem BiegemaĂ einzuhalten, weshalb groĂe bedrahtete Bauteile auch heute noch in ansonsten automatisierten Fertigungen von Hand eingesetzt werden.
Mehrlagige Leiterplatten
Um die höchstmögliche Packungsdichte bei SMD auszuschöpfen, werden doppelseitige Leiterplatten verwendet und beidseitig bestĂŒckt. SpĂ€ter begann man, Mehrlagen-Leiterplatten zu verwenden, indem man mehrere dĂŒnnere Leiterplatten mit sog. Prepregs aufeinanderklebte. Diese Multilayer-Leiterplatten können bis zu etwa 48 Schichten haben. Ăblich sind jedoch vier bis acht Lagen in Computern und bis zu zwölf Lagen in Mobiltelefonen. Die Verbindungen zwischen den Lagen werden mit Durchkontaktierungen (âViasâ) hergestellt.
In vielen FÀllen ist die Verwendung von Multilayer-Leiterplatten auch bei geringerer Packungsdichte notwendig, z. B. um die induktionsarme Stromversorgung aller Bauteile zu gewÀhrleisten.
Bauelemente auf und in Leiterplatten
Einfache passive Bauelemente können in die Platine integriert werden. InduktivitĂ€ten, Spulen, kleine KapazitĂ€ten, Kontakte oder KĂŒhlkörper können direkt als Kupferschicht-Struktur ausgebildet werden. WiderstĂ€nde werden teilweise mittels spezieller Pasten auf die OberflĂ€che oder in die verdeckten Layer eingedruckt. Dadurch werden in der Massenfertigung Bauelemente und BestĂŒckung gespart.
Es gibt Platinen, auf oder in denen integrierte Schaltungen direkt platziert sind (Chip-On-Board-Technologie, kurz COB). Oft sind sie direkt zur Platine gebondet und nur durch einen Tropfen Kunstharz geschĂŒtzt (englisch Glob Top).
Microvia-Technik
Bei Multilayer-Platinen werden HDI-Leiterplatten (von engl. High Density Interconnect) angewendet. Dabei werden Sacklochbohrungen mit 50 ”m bis 100 ”m Durchmesser mittels Laser oder durch PlasmaĂ€tzen in die AuĂenlagen eingebracht und enden auf dem Kupfer der nĂ€chsten oder ĂŒbernĂ€chsten Lage. Nach der Reinigung des verbliebenen Harzes werden diese Mikrobohrlöcher wiederum galvanisch verkupfert und somit elektrisch angebunden.
Bei Leiterplatten mit hoher Packungsdichte ist die Microvia-Technik notwendig, da wegen des Platzmangels und des geringen Abstandes der Kontakte nicht mehr alle Kontakte z. B. von Ball-Grid-Array-Bauteilen (BGA) elektrisch angebunden werden könnten. So bindet man die Pads der BGAs an Microviabohrungen an, die auf einer anderen Lage enden und gewÀhrleistet so deren Entflechtung.
Buried-Via-Technik
Die Vias (Durchkontaktierungen) verbinden auch hier zwei oder mehrere Kupferlagen, sind jedoch nur zwischen Innenlagen eingebracht und nicht von der PlatinenoberflÀche aus zugÀnglich. Buried Vias (dt. vergrabene Durchkontaktierungen) sind somit erst bei Multilayer-Platinen ab vier Lagen möglich.
Plugged-Via-Technik
Neben Buried- und Micro-Vias besteht die Möglichkeit, Vias verschlieĂen (âpluggenâ) zu lassen.cite-ref-6[6] Mit dieser Technik können Vias direkt in SMD-Pads platziert werden, was z. B. bei BGA-GehĂ€usen mit kleinen BallabstĂ€nden die Entflechtung stark vereinfacht. Die Technik ist allerdings relativ teuer und wird nur selten genutzt, da die OberflĂ€che zusĂ€tzlich geschliffen und poliert werden muss, um ĂŒberschĂŒssiges Material abzutragen. Die verschiedenen Möglichkeiten, ein Via zu verschlieĂen, sind spezifiziert in der Richtlinie IPC 4761.cite-ref-7[7]
Dickkupfer
Die Verwendung von KupferstĂ€rken jenseits der ĂŒblichen Dicke von 35 ”m (oft 200 ”m bis 400 ”m) wird als Dickkupfer bezeichnet. Sie erlauben höhere Strombelastbarkeiten und verbesserten lateralen WĂ€rmetransport. Die LeiterzĂŒge werden hierzu galvanisch verstĂ€rkt, die Genauigkeit ist eingeschrĂ€nkt.
Eine Platine mit geringer Kupferdicke wird mit Fotolack bedeckt, invers belichtet und entwickelt. Nun liegen alle die FlĂ€chen frei, die LeiterzĂŒge werden sollen. Nun wird galvanisch mit Kupfer verstĂ€rkt. Nachfolgendes Ătzen vermag dann ohne Abdecklack die LeiterzĂŒge freizulegen, sodass nicht die gesamte Kupferdicke, sondern nur die dĂŒnne Grundschicht geĂ€tzt werden muss.
Eine Variante der Dickkupfertechnik ist die Eisbergtechnik (englisch iceberg technique). Dabei werden die noch geschlossenen in Folienform vorliegenden Kupferlagen photolithographisch vorstrukturiert: Bereiche, die kein Dickkupfer benötigen, werden dabei auf 20 ”m oder 100 ”m zurĂŒckgeĂ€tzt. Die Folien werden dann in das Prepreg eingepresst und konventionell weiterverarbeitet. Die partiell geringeren Erhebungen in Bereichen geringer Schichtdicke erlauben eine feinere Strukturierung und eine zuverlĂ€ssigere Ăberdeckung mit Lötstopplack.
WĂ€rmemanagement
Thermal Vias haben keine elektrische Funktion, sie verbessern den WĂ€rmetransport senkrecht zur Leiterplatte. Die WĂ€rmeleitfĂ€higkeit von Basismaterialien wie FR-4 ist mit 0,3 W/(m·K) fĂŒr eine EntwĂ€rmung von Bauelementen oft zu gering. Thermal Vias nutzen die hohe WĂ€rmeleitfĂ€higkeit (300 W/(m·K)) von Kupfer, dem Material der Durchkontaktierung. Durch eine dichte Anordnung in einem Raster kann der Kupferanteil in die Leiterplatte wesentlich erhöht werden.
Metallkern (englisch metal core) und Dickkupfer erlauben eine höhere laterale WÀrmeleitfÀhigkeit. Dazu werden Kupfer- oder Aluminiumbleche oder auf bis zu 400 ”m verstÀrkte Kupferlagen in die Leiterplatte eingearbeitet.
Die WĂ€rmeableitung durch KĂŒhlmaĂnahmen im Layout oder auch induktionsarme Durchkontaktierungen und AnschlĂŒsse sind beim Löten jedoch ein Nachteil, weil dadurch der WĂ€rmebedarf lokal stark erhöht ist. Sogenannte Thermal Pads, bei denen die Anbindung an kupfergefĂŒllte FlĂ€chen gezielt geschwĂ€cht wird, dienen dazu, die WĂ€rme in der Lötstelle zu halten und nicht in die KupferflĂ€che abzuleiten.
Flexible Leiterplatten
Alternativ zu starren Leiterplatten finden auch dĂŒnne Flexleiterplatten bzw. Leiterfolien z. B. auf Basis von Polyimid-Folien Verwendung. Damit aufgebaute Baugruppen sind zwar teurer, können jedoch platzsparend durch Falten in engste RĂ€ume z. B. von Fotoapparaten, Videokameras oder Smartphones eingesetzt werden.
Flexible Verbindungen fĂŒr dauernde Beanspruchung, z. B. in Tintenstrahldruckern, werden hĂ€ufig ebenfalls als Polyimid-Folienleiterplatte ausgebildet.
Starrflexible Leiterplatten
Durch Kombination von flexiblen und starren Schichten beim Verpressen erhĂ€lt man eine starrflexible Leiterplatte. Hier befinden sich z. B. Polyimid-Folien auf oder zwischen gewöhnlichen FR4-Schichten, die nach einer TiefenfrĂ€sung Bereiche mit unterschiedlicher Dicke und FlexibilitĂ€t ergeben. So lassen sich Stecker, Kabel und andere Verbindungselemente einsparen, allerdings entsteht damit auch die Notwendigkeit, bei Defekten das gesamte Starrflex-System auswechseln zu mĂŒssen.cite-ref-8[8]
Semiflexible Leiterplatten
Wird nur ein nicht dauerhaft flexibler Bereich in der Leiterplatte benötigt, z. B. um die Montage bei begrenztem Platz zu ermöglichen, gibt es den Ansatz, den aus mehreren Prepregs (s. u.) aufgebauten Schichtstapel einer Leiterplatte bis auf wenige Lagen durch FrĂ€sen oder vorgestanzte Prepregs mit ausgesparten Bereichen zu verjĂŒngen. Der verjĂŒngte Bereich wird typischerweise mit einer dauerflexiblen Lackschicht versehen und lĂ€sst sich dann wenige Male biegen.
Lötalternativen
Als Alternative zum Verlöten der BauteilanschlĂŒsse auf einer Leiterplatte gibt es die Einpresstechnik. Dabei werden elastische oder starre Stifte in eng tolerierte und metallisierte Bohrungen der Leiterplatte gepresst. Aufgrund der plastischen Verformung der Partner ergeben sich sichere elektrische Verbindungen ohne Löten. Eine Anwendung sind vielpolige Stecker und Gewindebolzen.
Bei der Chip-On-Board-Technologie werden Chips ohne GehĂ€use auf die Leiterplatte geklebt oder gelötet (Chipbonden) und direkt dort mittels Drahtbonden angeschlossen. Die auf Leiterplatten gebondeten Chips und BonddrĂ€hte werden durch lichtabsorbierendes Kunstharz geschĂŒtzt.
OberflĂ€chenbehandlung und AusrĂŒstung
Da zwischen der Leiterplattenproduktion und dem anschlieĂenden BestĂŒckprozess der elektronischen Bauelemente auf Leiterplatten im Regelfall Transport- und Lagerzeiten liegen, ist es notwendig, die LötflĂ€chen aus blanken Kupfer, welche die Kontakte zu den elektronischen Bauelementen darstellen, vor UmwelteinflĂŒssen wie Korrosion zu schĂŒtzen, da andernfalls der Lötvorgang beeintrĂ€chtigt ist. FĂŒr die OberflĂ€chenbehandlung finden folgende Verfahren bei Leiterplatten Anwendung:cite-ref-epe1-9-0[9]
HAL
Bei HAL, auch HASL fĂŒr englisch Hot Air Solder Leveling, wird die fertige produzierte Leiterplatte in ein Bad aus flĂŒssigem Zinn-Blei getaucht und nachfolgend mit heiĂer Luft das ĂŒberschĂŒssige Zinn-Blei auf der OberflĂ€che weggeblasen, um eine möglichst glatte OberflĂ€che an den Lötpads zu erhalten. Damit wird das Kupfer durch eine Schicht aus Zinn-Blei ĂŒberzogen, welche auch dem herkömmlichen Lötzinn entspricht. HAL ist wegen der kostengĂŒnstigen DurchfĂŒhrung die am weitesten verbreitete OberflĂ€chenbehandlung, weist aber als Nachteil durch ungleiche Verteilung der Zinn-Blei-Beschichtung an der OberflĂ€che relativ groĂe Unebenheiten auf und kann bei sehr feinen Strukturen zu KurzschlĂŒssen fĂŒhren.
Chemisch-Zinn
Bei der Methode Chemisch-Zinn (englisch Immersion Tin) wird die oberste Schicht des Kupfers mit Hilfe von Thioharnstoff durch Zinn chemisch ausgetauscht. Der chemische Austausch von Kupferatomen durch Zinnatome endet von selbst, wenn die KupferoberflÀchen auf der Leitplatte vollstÀndig durch Zinn in einer Dicke von ca. 0,7 ”m bis 1,2 ”m abgedeckt sind. Der Vorteil von Chemisch-Zinn ist die sehr ebene OberflÀche und das Vermeiden von problematischen Stoffen wie Blei im Endprodukt. Die Nachteile sind der Aufwand und Kosten in der Fertigung, der Einsatz von krebserregendem Thioharnstoff und die Problematik, dass die reine ZinnoberflÀche Whisker ausbilden kann.
OSP
OSP, englisch Organic Solderability Preservative, ist eine OberflĂ€chenbehandlung basierend auf organischen Substanzen wie Benzotriazol, Imidazol oder Benzimidazol, welche mit der obersten Kupferschicht eine einige 100 nm dicke metallorganische koordinative Bindung eingehen und so das Kupfer vor Oxidation schĂŒtzen. Die OSP wird erst thermisch beim Lötprozess aufgelöst. Von Vorteil ist neben der ebenen OberflĂ€che die gĂŒnstige Herstellung, nachteilig ist aber die begrenzte Lagerzeit. OSP sollte nicht bei Leiterplatten mit Durchsteckbauelementen eingesetzt werden, da die OberflĂ€chenpassivierung in den Lötaugen nicht gewĂ€hrleistet ist.
ENIG
Bei ENIG, englisch Electroless Nickel Immersion Gold, wird zunĂ€chst eine ca. 3 ”m bis 6 ”m Schicht chemisch Nickel auf die KupferoberflĂ€che aufgebracht. Die Nickelschicht stellt eine Barriere fĂŒr Gold zur Kupferschicht dar, da sonst das Gold in das Kupfer diffundieren wĂŒrde. Auf die Nickelschicht wird eine ca. 50 nm bis 100 nm dicke Schicht chemisch Gold aufgebracht, dabei wird die oberste Nickelschicht durch Gold chemisch ausgetauscht. Der Vorteil dieser Methode ist auch neben der ebenen OberflĂ€che die vergleichsweise lange LagerfĂ€higkeit. Nachteilig ist der vergleichsweise hohe Prozessaufwand und damit verbundene Kosten. Des Weiteren fĂŒhrt die Goldbeschichtung der ENIG-Leiterplatten bei Wellenlöten zu einer Verunreinigung des Lötbades.
Normen und Vorschriften
Zu dem Aufbau und den Eigenschaften von Leiterplatten gibt es vielfĂ€ltige Vorschriften und Normen. AuĂer DIN-, IEC- und Normen des Institute for Printed Circuits (IPC) haben groĂe Unternehmen teilweise auch eigene Werksnormen. Neben diesen universellen Normen gibt es fĂŒr Rack-Systeme standardisierte Abmessungen fĂŒr Leiterplatten:
âą Europakarte (3 HE): 160 mm Ă 100 mm (DIN 41494 Teil 2), an der Schmalseite kontaktiert
âą Doppeltes Europakarten-Format (6 HE): 233 mm Ă 160 mm, an der Breitseite kontaktiert.
Tests
Leiterplatten werden oft noch vor der Auslieferung und BestĂŒckung einer PrĂŒfung unterzogen. Die visuelle Kontrolle (Auge oder digitale Bildverarbeitung) zwischen den einzelnen Fertigungsschritten (z. B. vor dem Aufbringen einer weiteren Lage) und am Ende der Fertigung ist bei den Leiterplattenherstellern meist im Preis inbegriffen.
Ein elektrischer Test am Ende der Herstellung ist meist kostenpflichtig und erfordert die kompletten CAD-Daten sowie einen PrĂŒfautomaten, der sĂ€mtliche Signalwege kontaktiert und prĂŒft. Bei den PrĂŒfautomaten unterscheidet man zwischen dem In-Circuit-Tester und dem Flying-Prober. Die Flying-Prober haben mehrere einzelne PrĂŒffinger, welche die Leiterplatten abtesten. Diese Technik hat den groĂen Vorteil, dass keine Adapter zum Kontaktieren benötigt werden und so auch kleine Serien gĂŒnstig getestet werden können. Als Nachteil zĂ€hlt die lange PrĂŒfzeit zum Testen und dass mit diesem System meistens kein 100%iger Test durchgefĂŒhrt wird (zu lange PrĂŒfzeit). Beim In-Circuit-Tester werden die Leiterplatten mit Federstift-bestĂŒckten Adaptern oder sehr feinen sogenannten Starrnadeladaptern getestet. Diese Technik hat den Vorteil, dass alle Testpunkte auf einmal kontaktiert werden können und so ein sehr schneller Test mit einer 100%igen PrĂŒftiefe erreicht werden kann. Die heutigen MCA-Microadapter (siehe Starrnadeladapter) ermöglichen mit dem Staggering das Kontaktieren von feinsten Strukturen der Mikroelektronik. Als Nachteil sind hier die hohen Adapterkosten zu erwĂ€hnen, die aber bei gröĂeren StĂŒckzahlen nicht mehr ins Gewicht fallen.
Fertig bestĂŒckte Leiterplatten können ebenfalls mit einem ICT-Testsystem geprĂŒft werden, wofĂŒr oft zusĂ€tzliche Kontaktinseln layoutet werden, die im spĂ€teren Einsatz nicht mehr benötigt werden. Damit keine solchen zusĂ€tzlichen Testpunkte generiert werden mĂŒssen, kann auch hier ein Starrnadeladapter eingesetzt werden, der das Kontaktieren auf BauteilanschlĂŒsse, Stecker oder sogar Chips ermöglicht.
Oft wird nur eine optische (Bilderkennungssoftware) und/oder Funktionskontrolle am Ende der Fertigung (d. h. nach der BestĂŒckung) durchgefĂŒhrt, da die Herstellungstechnologie der Leiterplatten selbst sehr viel zuverlĂ€ssiger als nachfolgende Verfahrensschritte ist.
Durchgangstest
Beim Durchgangstest wird die Leiterplatte auf fehlerhafte und fehlende Verbindungen getestet. Diese Unterbrechungen können durch mechanische BeschÀdigungen oder durch Filmfehler beim Belichten entstehen.
Funktionsweise
Beim Durchgangstest werden alle zu einem Netz gehörenden Punkte gegeneinander getestet. Bei Einzelpunkten kann keine Verbindung geprĂŒft werden.
Durch Schmutz auf den Kontaktierstellen können die Messungen ein hochohmiges Ergebnis zeigen. Mögliche Verschmutzungen sind: Staub, FrĂ€srĂŒckstĂ€nde oder Oxidation auf der KontaktierflĂ€che. Durch ein erneutes Kontaktieren (Retest) können diese Phantomfehler (Fehler, die nicht existieren) oft ausgeschlossen werden.
Die Messresultate werden bei zweipoliger Messung produktspezifisch z. B. folgendermaĂen klassifiziert:
(Messschwellen sind teilespezifisch zu definieren)
âą Messung < 10 Ω â Gute Verbindung
âą Messung > 10 Ω â Hochohmige Verbindung
âą Messung > 2 MΩ â Unterbrechung
FĂŒr Messungen von Verbindungen oder WiderstĂ€nden unter 10 Ω muss oft eine Vierleitermessung eingesetzt werden, dadurch verfĂ€lschen die Kabel- und KontaktwiderstĂ€nde das Messresultat nicht.
Kurzschlusstest
Ein Kurzschluss ist eine Verbindung zwischen zwei Punkten, die entsprechend der Schaltung nicht bestehen darf. KurzschlĂŒsse sind Verbindungen, die z. B. durch ZinnfĂ€den, schlechtes Ătzen oder mechanische BeschĂ€digung der Isolationsschicht zwischen den Lagen hervorgerufen werden.
Funktionsweise
FĂŒr jedes Netz wird ein Testpunkt als PrimĂ€rtestpunkt festgelegt. Danach wird zwischen allen Netzen die Isolation gemessen.
Wenn eine Leiterplatte 3 Netze hat, wird Netz 1 gegen Netz 2, Netz 1 gegen Netz 3 und Netz 2 gegen Netz 3 gemessen. Sind weitere Netze vorhanden, verhalten sich die Anzahl Messungen nach:
âą 2 Netze = 01 Messung
âą 3 Netze = 03 Messungen
âą 4 Netze = 06 Messungen
âą 5 Netze = 10 Messungen
âą 6 Netze = 15 Messungen
⹠N Netze = N·(N-1)/2 Messungen
Wird beim Durchgangstest eine Unterbrechung festgestellt, wird dort ein weiterer PrimĂ€rpunkt gesetzt und ein weiteres Sub-Netz generiert (Netz 3a). So kann die Leiterplatte zu 100 % auf KurzschlĂŒsse getestet werden.
Die Messresultate werden produktspezifisch zum Beispiel folgendermaĂen interpretiert:
âą Messung > 2 MΩ â Kein Kurzschluss
âą Messung < 2 MΩ â Hochohmiger Kurzschluss
âą Messung < 100 Ω â Kurzschluss
Röntgentest
Vor allem bei mehrlagigen Platinen werden auch Röntgenaufnahmen eingesetzt, um eine visuelle PrĂŒfung durchfĂŒhren zu können, zum Beispiel der Passgenauigkeit der verschiedenen Lagen.
Belastung von Leiterbahnstrukturen mit groĂen Strömen
HĂ€ufig, besonders in Dickschicht-Hybridtechnik, besteht die Notwendigkeit, unbestĂŒckte Leiterplatten mit gröĂerem PrĂŒfstrom auf Einengungen, schlechte Durchkontaktierungen usw. zu testen. Solche Fehlerstellen werden dann zerstört und können als Unterbrechung erkannt werden. Ein zerstörungsfreies Mittel zur PrĂŒfung von Leiterplatten auch im Betrieb ist die Thermografie.
Basismaterial
Einfache Leiterplatten bestehen aus einem elektrisch isolierenden TrĂ€germaterial (Basismaterial), auf dem eine oder zwei Kupferschichten aufgebracht sind. Die SchichtstĂ€rke betrĂ€gt typischerweise 35 ”m und fĂŒr Anwendungen mit höheren Strömen zwischen 70 ”m und 140 ”m. Um dĂŒnnere Leiterbahnen zu ermöglichen, werden auch Leiterplatten mit nur 18 ”m Kupfer hergestellt. In englischsprachigen LĂ€ndern wird manchmal statt der SchichtstĂ€rke die Masse der leitfĂ€higen Schicht pro FlĂ€cheneinheit in Unzen pro QuadratfuĂ (oz/sq.ft) angegeben. In diesem Fall entspricht 1 oz/sq.ft etwa 35 ”m SchichtstĂ€rke.
Leiterplatten waren frĂŒher meist Hartpapier mit der Materialkennung FR2. Heute werden auĂer fĂŒr billige Massenartikel meist mit Epoxidharz getrĂ€nkte Glasfasermatten mit der Materialkennung FR4 verwendet. FR4 hat eine bessere Kriechstromfestigkeit und bessere Hochfrequenzeigenschaften sowie eine geringere Wasseraufnahme als Hartpapier.
Durch die Glasfasermatten hat FR4 eine anisotrope Struktur, was sich unter anderem in den LĂ€ngenausdehnungskoeffizienten ausdrĂŒckt, die senkrecht zur Leiterplatte 50â60 ppm/K (bis 100 °C) betrĂ€gt, in X- und Y-Richtung ca. 18 bzw. 14 ppm/K, also Ă€hnlich zu den aufgebrachten Kupferbahnen (17 ppm/K).cite-ref-10[10]
FĂŒr Spezialanwendungen kommen auch andere Materialien als Basismaterial zum Einsatz. Beispiele sind Teflon, Aluminiumoxid oder Keramik in LTCC und HTCC fĂŒr die Hochfrequenztechnik sowie Polyesterfolie fĂŒr flexible Leiterplatten. Hersteller dieser speziellen Basismaterialien sind Firmen wie Rogers Corporation und Arlon Materials for Electronics, wovon sich auch die umgangssprachliche Bezeichnung âRogersâ bzw. âArlonâ im technischen Englischen fĂŒr teflonbasierende Leiterplatten mit Anwendungsbereich in der Hochfrequenztechnik ableitet.
FĂŒr Leiterplatten mit hohen Anforderungen an die WĂ€rmeabfĂŒhrung werden Basismaterialien mit Metallkernen wie Aluminium oder Kupfer verwendet, z. B. im Bereich der Beleuchtungstechnik mit Hochleistungsleuchtdioden. Diese TrĂ€germaterialien werden auch als Direct Bonded Copper oder als Insulated metal substrate (IMS) bezeichnet.
Bei Anwendungen fĂŒr niedrige Temperaturen oder hohe Luftfeuchtigkeit können auch Basismaterialien mit integrierten Heizelementen eingesetzt werden, die UnterkĂŒhlen oder Betauung der Schaltung verhindern. Zudem wird an alternativen Materialien geforscht, die umweltfreundlicher sind, aktuell gibt es dort aber noch Probleme mit der Feuchteresistenz.
Parameter verschiedener Materialien
| Bezeichnung | VerstĂ€rkung | Matrix | Kosten rel. zu FR4 | ErweichungsÂpunkt T G 1 (°C) | max. Betriebs- temperatur 2 (°C) | Dielektrizi- tĂ€tszahl Δ r | Isolations- widerstand | Kriechstrom- verhalten | Verlustwinkel (Grad) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| FR2 | Papier | Phenolharz | 0 30 % | 0 80 | 0 70 | 4,25 | â â | â â | 0,05 bei ? MHz |
| FR3 | Papier | Epoxidharz (Epoxy) | 0 60 % | 100 | 0 90 | | + â | + â | 0,041 bei ? MHz |
| CEM1 | Papier | Epoxy | 0 70 % | 105 | | | + â | + â | 0,031 bei ? MHz |
| CEM3 | Glasvlies | Epoxy | 0 80 % | 120 | | | + | + | |
| FR4 Standard | Glasfasergewebe | Di/Tetra-Epoxy | 100 % | 125â150 | 115â140 | 3,8â4,5 | + | + | 0,019 bei ? MHz |
| FR4 Halogenfrei | Glasfasergewebe | Di/Tetra-Epoxy | 130 % | 125â180 | 115â170 | 3,8â4,5 | + | + | 0,019 bei ? MHz |
| FR5 | Glasfasergewebe | Tetra/Multi-Epoxy | 150 % | 150â185 | 140â175 | | | | 0,016 bei ? MHz |
| FR5 BT | Glasfasergewebe | BT-Epoxy | 300 % | 190â240 [ 11 ] [ 12 ] | | | | | |
| Polyimid | ohne oder mit Glasfasern | Polyimid | 332â438 % | 240â270 | 230â260 | | + | + | |
| Teflon (PTFE) | ohne oder mit Glasfasern | | 800 % | 260â320 | 250â310 | 2â2,28 | + + | + + | 0,0009 (10 GHz) [ 13 ] ...0,03 (10 GHz) [ 13 ] |
| Keramik ( Aluminiumoxid ) | â | | 800 % | nicht relevant | nicht relevant | 7 (4,5â8,4 [ 14 ] 8 [ 15 ] ) | + + | + + | |
| ABF (Ajinomoto Buildup Film) | Siliziumoxid-KĂŒgelchen | Polymere | | | | 3,3 | | | 0,0022 |
| Glas | Metallisierter Glaskern | | | nicht relevant | nicht relevant | 3-5 | | | |
auch
GlasĂŒbergangstemperatur
T
(engl.:
Glass Transition Temperature
)
Max. Betriebstemperatur: Oberhalb der GlasĂŒbergangstemperatur steigt der LĂ€ngenausdehnungskoeffizient stark an und kann Leiterbahnrisse bewirken. Daher muss die maximale Betriebstemperatur deutlich unterhalb T
bleiben (Empfehlung: 5â10 K). Daneben ist die maximal zulĂ€ssige Temperatur fĂŒr die Lötstellen zu beachteten.
Basismaterialherstellung
In der ImprĂ€gnieranlage werden zunĂ€chst das Grundharz, Lösungsmittel, HĂ€rter, Beschleuniger gemischt. Dem können noch andere Stoffe zugesetzt werden, wie z. B. Farbpigmente, Flammschutzmittel und Flexibilisatoren. Die TrĂ€gerstoffe (z. B. Papier, Glasgewebe, Aramidgewebe) werden in Rollen angeliefert, so dass der Prozess fortlaufend durchgefĂŒhrt werden kann. Nachdem der TrĂ€ger ĂŒber Umlenkrollen durch das Bad gezogen wurde (TrĂ€nkung), wird das Material im Ofen getrocknet. Dabei verdunstet nicht nur das Lösungsmittel, sondern auch das Harz erreicht durch die WĂ€rmezufuhr einen Zwischenzustand â das Harz hĂ€rtet noch nicht vollstĂ€ndig aus, bei erneuter WĂ€rmezufuhr wird es zunĂ€chst wieder klebrig und hĂ€rtet erst dann aus. Dieses Halbzeug aus Harz und TrĂ€ger nennt man Prepreg. Es wird zur Herstellung der Leiterplatten verwendet, indem die Lagen unter WĂ€rmeeinfluss verpresst werden. Bei Multilayer-Leiterplatten werden mehrere Schichten Basismaterial und Kupfer nacheinander verpresst und geĂ€tzt.
Verbindungen
Mechanische Verbindungen
Bei der Montage von Platinen in einem GehĂ€use muss zwischen der ggf. metallenen Montagebasis und der Platine ein Abstand sichergestellt werden. Zum einen, damit keine KurzschlĂŒsse entstehen, zum anderen, damit die unebene Unterseite der Platine mit den vielen Lötpunkten und teilweise hervorstehenden Drahtenden nicht direkt aufliegt, was zu mechanischen Spannungen fĂŒhren wĂŒrde. Dazu verwendet man u. a. lange Gewindeschrauben mit Abstandshaltern und Muttern oder Kunststoffelemente, die in Löcher in der Platine und auf der anderen Seite im GehĂ€use eingeklipst werden. Manchmal ĂŒbernimmt auch die im Folgenden beschriebene elektrische Verbindung den mechanischen Part mit.
Elektrische Verbindungen
Wenn die Leiterplatte eine Steckkarte ist, die auf einer anderen Leiterplatte sitzt, verwendet man meist direkte Steckverbinder und Federleisten.
Andere vielpolige Kabelverbindungen werden ĂŒber Leitgummi oder ĂŒber Steckerleisten und Stiftleisten realisiert, wobei die Kontakte in einer oder auch mehreren Reihen angeordnet sein können. Wenn es nur um wenige Pole geht, werden auch Federleisten oder kleine Buchsen- oder Kupplungsteile auf Lötstifte aufgesteckt.
In speziellen Umgebungen wie beispielsweise innerhalb von Mobiltelefonen wÀhlt man Folienverbinder, die praktisch biegsame Leiterplatten darstellen, ggf. mit direkten Steckverbindern an einem oder beiden Enden oder alternativ direkter Verlötung.
Recycling
Siehe auch
:
Elektronikschrott
Leiterplatten enthalten einen hohen Anteil Kupfer und Edelmetallen, dessen Wiedergewinnung durch die Fortschritte bei Recycling-Verfahren wirtschaftlich geworden ist:cite-ref-16[16]
| Element | Mobiltelefone | Computer | Mischfraktion |
|---|---|---|---|
| Kupfer | 34,49 | 20,19 | 20,1 |
| Aluminium | 0 0,26 | 0 5,7 | 13,5 |
| Eisen | 10,57 | 0 7,33 | 0 7,09 |
| Zink | 0 5,92 | 0 4,48 | 0 2,18 |
| Blei | 0 1,87 | 0 5,53 | 0 1,16 |
| Zinn | 0 3,39 | 0 8,83 | 0 0,62 |
| Nickel | 0 2,63 | 0 0,43 | 0 0,73 |
| Silber | 0 0,21 | 0 0,16 | 0 0,027 |
| Gold | 0 0,03 [ 17 ] | 0 0,13 | 0 0,003 |
Literatur
âą GĂŒnther Hermann (Hrsg.): Handbuch der Leiterplattentechnik â Laminate â Manufacturing â Assembly â Test. 2. Auflage. Eugen G. Leuze Verlag, Saulgau/WĂŒrtt. 1982, ISBN 3-87480-005-9.
âą GĂŒnther Hermann (Hrsg.): Handbuch der Leiterplattentechnik â Band 2: Neue Verfahren, neue Technologien. Eugen G. Leuze Verlag, Saulgau/WĂŒrtt. 1991, ISBN 3-87480-056-3.
âą GĂŒnther Hermann (Hrsg.): Handbuch der Leiterplattentechnik â Band 3: Leiterplattentechnik, Herstellung und Verarbeitung, Produkthaftung, Umweltschutztechnik mit Entsorgung. Eugen G. Leuze Verlag, Saulgau/WĂŒrtt. 1993, ISBN 3-87480-091-1.
âą GĂŒnther Hermann (Hrsg.): Handbuch der Leiterplattentechnik â Band 4: Mit 112 Tabellen. Eugen G. Leuze Verlag, Saulgau/WĂŒrtt. 2003, ISBN 3-87480-184-5
âą H.-J. Hanke (Hrsg.): Baugruppentechnologie der Elektronik â Leiterplatten. Technik Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-341-01097-1.
âą Daniel Schöni (Hrsg.): Schaltungs- und Leiterplattendesign im Detail â Von der Idee zum fertigen GerĂ€t. BoD Books on Demand, Norderstedt 2017, ISBN 978-3-7392-1871-7.
Siehe auch
Weblinks
Commons
: Leiterplatten
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Leiterplatte
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą GĂŒnstige Platinenherstellung mit einfachen Mitteln
âą Platinen mit der âDirekt-Toner-Methodeâ Ă€tzen
âą Funktionsprinzip der BestĂŒckungstechnologien (SMD, BGA, THT) bildlich erklĂ€rt.
Einzelnachweise
cite-note-11. â Stoffströme bei der Herstellung von Leiterplatten. (Memento vom 15. Januar 2015 im Internet Archive) (PDF; 729 kB) Forschungszentrum Karlsruhe 1996.
cite-note-22. â Paul Eisler, Harold Vezey Strong: "639,178 (A) Manufacture of electric circuits and circuit components".
cite-note-33. â Andus Electronic Leiterplatten Strombelastbarkeit auf Leiterplatten (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) Grundlagen und Praxiswissen.
cite-note-44. â Eilhard Haseloff: EMV-gerechte Gerechte Gestaltung vom Leiterplatten, Texas Instruments Deutschland, Applikationslabor, Publikation EB215, Mai 1993
cite-note-55. â Lotpasten Dosierung, Mitteilung der Firma Fritsch GmbH, abgerufen am 19. Feb. 2021.
cite-note-66. â Design Regeln Pluggen (PDF; 272 kB)(PDF) ILFA Feinstleitertechnik; mit Prozessbeschreibung und Abbildungen.
cite-note-77. â Via Abdeckung â Spezifikation nach IPC 4761. Multi CB Leiterplatten; mit Abbildungen.
cite-note-88. â Schaltungs- und Leiterplattendesign im Detail. Abgerufen am 22. April 2017.
cite-note-epe1-99. â Al Wright: Printed Circuit Board Surface Finishes â Advantages and Disadvantages. Abgerufen am 9. Juli 2016.
cite-note-1010. â Analyse mit DDK, TMA und TGA-EGA. In: USER COM 1/99. Ehemals im Original (nicht mehr online verfĂŒgbar); abgerufen am 18. Januar 2020.@1@2Vorlage:Toter Link/www.mt.com (Seite nicht mehr abrufbar. Suche in Webarchiven)
cite-note-111. Alternative board materials. (Memento vom 15. Mai 2008 im Internet Archive) (englisch)
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cite-note-0-133. mauritz-hamburg.de (Memento vom 22. Oktober 2014 im Internet Archive) Duorid 5880, glasfaserverstÀrkt.
cite-note-144. Grundlagen der Radartechnik zur FĂŒllstandmessung (Memento vom 26. Oktober 2007 im Internet Archive), 9
cite-note-155. quick-ohm.de (Memento vom 24. Mai 2010 im Internet Archive).
cite-note-1616. â Luciana Harue Yamane, Viviane Tavares de Moraes, Denise Crocce Romano Espinosa, Jorge Alberto Soares TenĂłrio: Recycling of WEEE: Characterization of spent printed circuit boards from mobile phones and computers. In: Waste Management. Band 31, Nr. 12, Dezember 2011, S. 2553â2558, doi:10.1016/j.wasman.2011.07.006.
cite-note-176. Landesamt fĂŒr Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen: Recycling kritischer Rohstoffe aus Elektronik-AltgerĂ€ten, Fachbericht 2012, Seite 41, abgerufen am 8. Juni 2023